Idee und Entstehung

Die Wirtschaft und damit auch der Arbeitsmarkt entwickeln sich weiter – aus analog wird digital aus Handarbeit wird technologische Lösung. Wie sollen Menschen mit Behinderung da Schritt halten? Wie sollen Werkstätten noch Aufträge in Verpackung und Montage generieren, wenn die Anforderungen bei Aufträgen aus der Wirtschaft das Fähigkeitenniveau übersteigen? Wie sollen Bildungseinrichtungen Menschen so ausbilden, dass sie solcherart komplexen Zukunftsaufgaben gewachsen sind? Diese Fragen stellen sich auch die Berufliche Bildung und die Berufliche Teilhabe von wertkreis Gütersloh. Sie fragten sich aber auch: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn Menschen mit Behinderung nicht an komplexen Systemen scheitern, sondern wenn diese Systeme Barrieren abbauen und so zum Erhalt von Teilhabeleistungen am Arbeitsleben, mehr noch zum Schaffen von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung auf dem 1. Arbeitsmarkt beitragen? Wie könnten diese Systeme aussehen? Wie könnte man sie konzipieren, dass sie auch finanziell erschwinglich bleiben? Wo könnte man sie verfeinern und testen.

Beim Besuch bei einer Praktikantin mit Behinderung in einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock fanden die Verantwortlichen drei zur Einarbeitung von neuen Mitarbeitenden eingesetzte Assistenzsysteme vor. Der sinnvolle Einsatzes solcher Systeme zur Unterstützung von Menschen mit Einschränkungen lag auf der Hand. Folge: Mit Verlassen der Firma kontaktierte der wertkreis das Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo. Dort stieß man mit dem Gedanken „Was wäre wenn!“ auf offene Ohren. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe wurde gebildet an der von Seiten des Fraunhofer IOSB Sascha Jenderny und Professor Dr. Dr. Röcker teilnahmen. Die Arbeitsgruppe besichtigte verschiedene Werkstattbereiche in Gütersloh, um Anforderungen an ein zukünftiges Assistenzsystem zu definieren. Als Kriterien wurden festgelegt:

  • bei vielfältigen Montage- und Verpackungsarbeiten einsetzbar;
  • individuell an die Bedürfnisse verschiedener Nutzer anpassbar;
  • schnell und einfach programmierbar.

Im Dezember 2017 startete die hardware- und softwaretechnische Entwicklung von zwei Assistenzsystemen (sog. Demonstratoren) beim Fraunhofer IOSB in Lemgo. Im April 2018 wurde ein Prototyp bereits erstmalig auf der Berufsinformationsbörse in Gütersloh vorgestellt. Der Versuch erbrachte den Nachweis: Menschen ohne Vorerfahrungen können mithilfe des Systems komplexe Montageprozesse ausführen. Anfang Juli 2018 wurden die Demonstratoren im Rahmen einer Mitarbeitendenschulung an den wertkreis übergeben. Seit 2019 sind die Systeme in der aktiven Verwendung bei wertkreis Gütersloh und werden in zahlreichen Kontexten vorgestellt.

Anja Grosse-Coosmann

wertkreis Gütersloh gGmbH

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